Erstbefliegung
mit dem Motorschirm über die Zugspitze
durch
Knut Jäger, 47 Jahre, verheiratet, 3 Mädels, fliegt seit 1979;
Fluglehrer
für Drachen seit 1982, für Gleitschirm seit 1987 und Motorschirm seit
1994.
Anlässlich
der Free Flight Messe in Garmisch vom 20.-23.03.2003
gelang Knut Jäger die Erstbefliegung der Zugspitze mit einem Motorschirm.
Start
am Freitag, 20.03.2003, ca. 11.00 Uhr
Motor: Fresh Breeze Monster , 28 PS, 4-Blatt
Schirm: Silex M mit DULV-Zulassung
Start: Garmisch, vor dem Messegelände der Free Flight 722 m
MSL
Zugspitze: 2964 m MSL
Höhendifferenz zw. Start- und Landeplatz: 2242 m (plus Startüberhöhung
= 2442 m)
Zunächst
wollte Knut zusammen mit Willi Horka lediglich das Motorschirmfliegen
für das Publikum präsentieren. Der Talwind war bereits stark zunehmend.
Die Windrichtung für die Höhe war mit Nord-Nordwest angekündigt.
Beim
Flug konnte Knut feststellen, dass der Wind nach oben immer schwächer
wurde und sogar die Windrichtung auf Südost wechselte. Zunächst stattete
Knut den Skifahrern am Hausberg und Osterfelder einen Besuch ab und
da dies ohne Probleme klappte, entschied sich Knut, den Flug über
die Zugspitze zu wagen.
Immerhin
Deutschlands höchster Berg mit 2964 m. Die Inversionslage wurde bei
ca. 2000 m durchbrochen und es tat sich ab jetzt der Alpenraum und
das Alpenvorland in einer Klarheit auf, dass allein der Weg bis hierhin
sich schon gelohnt hatte.
Mit
zunehmender Höhe lies die Leistung des Fresh Breeze Monster immer
mehr nach, da mit der normalen Vergaser-Bedüsung gestartet wurde.
Für Flüge mit sehr großen Höhenunterschieden (hier immerhin 2500
m vom Startplatz Garmisch 700 m MSL bis über die Zugspitze) müsste
die Düse am Boden magerer eingestellt werden.
Schließlich
war Knut nach knapp einer Stunde Flugzeit 200 m unter dem Gipfel der
Zugspitze angekommen und sah vom Schneeferner Haus einen schwache
Rauchsäule aufsteigen. Konstant aus Südost mit vielleicht 5 km/h.
Perfekt, um auf der Westseite die Seilbahn anzufliegen. Dort entwickelte
sich ein Aufwind, den ich nutzen konnte. Innerhalb 10 Minuten war
die Bergstation überflogen und eine Landschaft von ungeahnter Schönheit
tat sich auf.
Die
Leute auf der Restaurant-Plattform winkten. Ein Jubelschrei gab die
Spannung frei, die sich während des Flugs aufbaute: schaffe ich es,
oder schaffe ich es nicht.
Es
war geschafft. Noch 200 m aufdrehen, um die Skipisten einsehen zu
können, und anschließend im Leelauf wieder zurück nach Garmisch gleiten.
Was für ein Highlight.Nach
jetzt 23 Jahren Fliegen gibt es immer wieder Situationen, die den
Spruch bewahrheiten: Nur Fliegen ist schöner!
Der
Rückflug nach Garmisch zur Messehalle war bis in ca. 500 m Höhe ruhig
und turbulenzfrei. Da vom Landeplatz Christa Vogel mit ihrem Team
immer wieder Windinfos durchgaben, war klar: die Landung wird happig.
Windböen bis 25 kts.
Also,
Trimmer am Silex voll auf, Augen zu und ab zur Landung: Toni Bender
und Willi Horka kamen mir entgegengelaufen, um eventuell den Schirm
nach der Landung am Boden zu halten. Aber mit Motorschub und einem
Schirm, der 50 km/h fliegt, konnte ich die Leeturbulenzen im Landebereich
überwinden. Landung, Motor aus, umdrehen und Schirm herunterholen.
Geschafft.
Wieder
eines der absoluten Highlights fliegerisch legal verwirklicht.
Und das ist das Wichtigste. Alle fliegerischen Highlights, wie z.B.
Flug über der Loveparade Berlin über mehr als 400 000 Leuten, Deutschlandtour
bis Insel Usedom u.v.a. Touren sind legal machbar. Es besteht kein
Grund, illegal zu fliegen.
Am
Samstag, den 22.03.2003, starteten wir erneut zur Zugspitze,
diesmal mit Michael Werner, Fresh Breeze im fliegenden Fahrrad Flyke,
Willi Horka mit einem Fresh Breeze 110er, Toni Bender und Lars Pongs
im Rüter-Trike. Ursprünglich sollte der bekannte Fotograf Michel Pfeiffer
mitgenommen werden, aber die Wetterverhältnisse ließen einen sicheren
Start mit dem Trike nicht zu.
Deshalb flogen erst Michael, Willi und ich zur Zugspitze. Auch diesmal
waren die Windverhältnisse oben viel besser als am Boden. Aber das
gleiche Problem wie am Vortag: durch die geringer werdende Luftdichte
schafften Michael und Willi die Zugspitze leider nicht.
Aber
Toni, das Leichtgewicht, kam mit dem Rüter-Trike und Fresh Breeze-Motor
noch hinterher. Ich war bereits wieder auf dem Rückflug. Der Aufstieg
für mich war diesmal leichter, da ich auf den Südflanken der Berge
die Thermik mitnehmen konnte. Ich versuchte noch, Michael in die Thermik
zu stellen. Es gelang aber nicht. Kommentar von Michael: Knut, Du
bist ein Bergfuchs. Da war ich schon a bisserl stolz.
Der
Ausblick noch schöner, die Sitzhaltung im Gurtzeug viel entspannter
als am Vortag. Nur die Landung war schwieriger, da im Lee der Messehalle
der Wind uns doch noch von den Füßen holte. Toni konnten wir mit Mühe
in seinem Trike einfangen und mit 4 Leuten am motorlosen Wiederstart
hindern.
Dieser
Flug ist ein wahres, fliegerisches Highlight. Mal sehen, was als nächstes
kommt.
Danke
an das Team von Thomas Neff und Christa Vogel für die
hervorragende Organisation und die souveräne Umsetzung der behördlichen
Auflagen.
Euer
Knut Jäger